Was dieser Rohm alles so treibt

von guidorohm

Die Kälte kriecht in die Wohnung. Sie legt sich auf seine Haut. Auf die Augen. Die sind am frühen Morgen eh verklebt. Remus versucht sich zu erinnern, was er in seinem Blogroman verzapft hat. Er klemmt sich Streichhölzer unter die Lider. Jetzt bleiben sie oben. Der Laden hat geöffnet. Seine Finger gleiten über den Bildschirm. Aha. Rohm bekommt einen Säbelzahntiger geschenkt, er hat bei Buchkultur eine Besprechung erhalten. Da kann sich Remus natürlich ein Grinsen nicht verkneifen. Immerhin läuft seine Erfindung wie geschmiert. Er hat zwar Ärger mit diesem Literaturdarsteller, aber das wird sich schon wieder geben. Drauf einen Schluck Kaffee. Ärger ist zum Runterspülen da, und wenn Kaffee nicht hilft, dann muss es eben auch mal eine Flasche Wein sein. Draußen ist ein Heulen zu hören. Könnte die Wölfin sein. Und der Buchmacher? Immer noch keine Rückmeldung. Was Rohm wohl jetzt gerade macht? Was treibt eine Fiktion in den frühen Morgenstunden? Remus blickt sich verstohlen um, dann erhebt er sich von seinem Schreibtischstuhl. Fiktionen sind in Büchern zu finden. In Filmen. In Bildern. In der Politik. Rohm, ruft er so leise wie möglich. Niemand soll das hören. Die halten ihn am Ende für einen Spinner. Wo treibt sich das Ungeheuer nur rum? Remus will schon aufgeben, da sieht er ihn aus einem Buch spazieren. Etwas von de Sade. Schäm dich! Aber nicht doch, wiegelt Rohm ab. Die Jungs sind ganz meine Kragenweite. Rohm greift nach einem Stühlchen und setzt sich vor die Bücherwand. Und wie soll das jetzt weitergehen? Der ganze Blogroman ist verdreht, keine Handlung, kein Personal, du schreibst wie es dir in den Sinn kommt. Morgen erscheint etwas in einer Zeitung über dich. Rohm setzt sich aufrecht hin. Er hört aufmerksam zu. Und was habe ich denen erzählt, fragt er. Das weiß ich doch nicht, entgegnet Remus. Ich habe Dogge zu ihnen geschickt, der spielt in meinem Roman den Witold Reimann, einen arbeitslosen Schauspieler, der wiederum den Autor Guido Rohm spielt. Fuck, ich bin in die Hände eines Irren geraten, flüstert Rohm. Er sieht sich um. Nur weg hier. Er könnte in einer Ausgabe von Mein Leben als Föhn verschwinden oder lieber gleich in den Gesammelten Werken von Loblitz. Apropos Loblitz. Der hatte sich ja damals, wer kann sich nicht erinnern, mit diesem Kritiker angelegt. Reichenbach, ja so hieß der. Die haben sich doch sogar irgendwann in einer Fernsehsendung geprügelt. Das muss er sich für später aufheben. Er wird sich jetzt aus dem Staub machen, also rein in die Tagebücher von Thomas Mann. Böser Fehler, denn als der ihn erblickt, schlägt er ihn wie eine Fliege tot. Katja, kann der tote Rohm noch hören, eher er sich in einem anderen Text-Körper beamt, könntest du bitte, aber rasch, schreibe ich doch gerade an dieser kleinen Novelle, die sich eh wieder zu einem Roman ausweiten wird. Katja eilt, während Rohm sich umblickt. Er ist in einer Weltraumbar gelandet. Söldner aus dem gesamten Universum stehen am Tresen. Warum nicht, denkt er und schlägt einem Wakorianer fest auf eine seiner siebzehn Schultern. Die nächste Runde geht auf mich, Jungs!

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