Die Sünde des Haarwuchses

von guidorohm

Der Kopf ist leer. Remus präsentiert das hautüberzogene Gefäß, dieses Ding mit Wucherungen an den Seiten. Ohren, erklärt Remus dem erstaunten Besucher, der sich als Leser dieses Textes vorstellt. Der Besucher würde die Ohren gerne berühren, aber das verweigert Remus, nur am Hauthäng darf er mal anfassen. Kurz und sanft. Genug der unsittlichen Berührung. Remus will zum Ausgangspunkt zurück. Das ist schwer bis unmöglich, verweigert seine Mutter doch seit Jahren die Rückkehr in den Bauch. Remus bereitet das Bauchschmerzen. Wo anders sollte sich diese Sorge bemerkbar machen. Remus präsentiert dem Besucher seine Nase. Die könne man gut in die Angelegenheiten anderer Leute stecken. Prima Gerät also, grunzt Remus. Die Augen seien für den Blick, also für den Moment, der beständig fliehe. Eine Gegenwart gibt es nicht. Remus hebt den Finger. Jetzt Achtung! Keine Gegenwart, wohl aber den beständigen Auspuffgestank der Gegenwart. Die Gegenwart werde überschätzt. Sie verpeste die Städte. Die Gegenwart müsse verboten werden. Texte im Präsens eh! Das auf dem Kopf wären Ablagerungen übler Gedanken. Haare seien des Satans. Weil er praktizierender Satanist sei, gebe er sich der Sünde des Haarwuchses hin. Leute mit langen Haaren, flüstert Remus, müsse man als boshafte Teufel betrachten, die sich nur beim Friseur von aller Schuld reinschneiden lassen könnten. Zurück zum Kopf. Der ist  leer. Remus schickt den Besucher auf die Suche nach einem anderen Besucher, denn hier gäbe es heute nichts mehr zu finden.

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