Auf großer Fahrt mit der Eagle

von guidorohm

Rohm sei getroffen worden, erklärt Remus der versammelten Mannschaft der Eagle, die sich nun bereits seit drei geträumten Tagen auf dem offenen Meer befindet. Ein seltsames Schiff sei das, stimmt man mit Kapitän Remus überein, denn noch niemand hatte bis dato von einem Dreiundzwanzigmaster gehört, nur Dogge meint sich erinnern zu können, etwas in einem Buch über Geheimgesellschaften darüber gelesen zu haben. Die Schiffe sollen dereinst in Italien gebaut worden sein, unter größten Sicherheitsmaßnahmen, bewaffnet von Tabak kauenden, bis unter die Zähne bewaffneten, dunkel dreinblickenden Söldnern, die man von der Mafia als Unterstützung orderte; nicht von der Mafia wie man sie heute kenne, führt Dogge aus, sondern von einer frühen Gruppe, die sich später der heute bekannten Verbrecherorganisation anschloss, nicht weil man deren Ziele und Auffassungen teilte, sondern weil man darin aufgehen und verschwinden konnte.

Die anderen hören ihm bereits nicht mehr zu, man ist mit den Inhalten der Mägen beschäftigt, die sich dem tosenden Treiben des Meeres überantworten wollen. Das Meer gischt, zischt, treibt Schaumkronen über die Planken. Wohin denn die Reise führen solle, befragt sich die Wölfin, nicht mit Worten, wohl aber mit geknurrten Lauten, die Remus zu verstehen und interpretieren in der Lage ist. Jeder Knurrlaut kann je nach Knurrart bis zu vierhundert verschiedene Bedeutungen besitzen. Da kann nur der geschulte und kenntnisreiche Wolfkenner übersetzen. (Wie sich später herausstellen sollte, fragte die Wölfin nicht, sondern sie fluchte, wollte sie doch wieder in den heimischen Wäldern auf Jagd gehen. Eine Wölfin habe auf Schiffen nichts verloren, erklärte sie.)

Die Passagiere der Eagle verteilen sich, man strömt unter Deck, hat den Hinweis auf Rohm bereits voll und ganz vergessen, der, so Remus, ja getroffen sei, von was eben auch immer. Selbst Remus, der sich den Mund mit den eigenen Magensäften ausspült, kann sich nicht mehr erinnern, gehört doch die Verdrängung zu den wichtigsten Merkmalen seines ansonsten so unscheinbaren Wesens. Remus kann alles und jeden verdrängen, verlangt es die Situation von ihm: Gewissensbisse, Aufgaben, Realitäten in jedweder Form, seinen Harndrang, Menschen in einer Warteschlange, Vergangenheiten (die Mehrzahl ist wichtig, weil Remus selbstverständlich, da kann er sich erinnern wie er will, über etwa 94 Myriaden Vergangenheiten verfügen kann, die momentan alle fein säuberlich in seinem begehbaren Vergangenheitsschrank in seinem Haus in Los Los hängen. Das Haus wurde, kleine Anekdote am Rand, von dem berühmten Architekten Jose Destabilos entworfen. Aber dies ist wieder einmal eine ganz andere Geschichte, die sicherlich auch noch erzählt werden wird, sofern Muße und Lebenszeit ihren werten Begleiter in diese Welt dazu in die Lage versetzen.)

Remus versucht sich zu entsinnen, worum es in diesem Kapitel des Blogromans überhaupt gehen sollte, kann sich aber beim besten Willen und Wein nicht daran erinnern. Drum lässt er nun mit den Worten schließen: „Eisberg voraus!“

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