klitzekleineminigeschichte

von guidorohm

Remus ist noch immer unzufrieden. Die Unzufriedenheit gehört zu ihm. Ständig liegt er mit sich im Krieg. Er gräbt einen Schützengraben, darin er liegt, die Zähne gefletscht. Der Feind ist dort draußen. Der Feind ist alles, was mit dem Leben zu tun hat. Mehr schreiben. Weniger schreiben. Gar nicht mehr schreiben. Sich erhängen. Einen Hügel stürmen. Remus ist ein kranker Mensch. Er würde sich am liebsten im Bett vergraben. Lesen, lesen, nochmals lesen, dabei liest er überhaupt nicht mehr. Er greift in die Bücher hinein, reißt einzelne Wörter heraus, Sätze, die er sich an die Stirn klebt. Remus liest vierhundert Bücher gleichzeitig. Sie liegen auf dem Nachttisch. Remus stürmt aus dem Graben. Er hält das Bajonett in die Luft. Da wird sich schon jemand zum Aufspießen finden. Beständig zugreifen, angreifen. Schreien, toben, schweigen. Remus ist keine reale Person. Er ist eine Kopfgeburt, eine Fiktion inmitten anderer Fiktionen. Die Nacht senkt sich hinab. Im November bereits um fünf Uhr. Scheißmonat. Fuck November! Aber, aber Herr Remus, dieses Mal sind wir doch von der Sonne gesegnet. Sie verwöhnt uns. Hängt uns auf den Köpfen. In den Köpfen. Für Remus zählt das nicht. Dort draußen ist ein Schlachtfeld. Er stürmt auf das offene Feld. Töten, schreit er. TÖTEN! Erschöpft bricht er zusammen. Wacht in seinem Bett auf. Vollmond. Er schleicht zum Schreibtisch hin, schreibt eine Geschichte über sich, eine klitzekleineminigeschichte. Er kann nicht ohne das Schreiben. Mit dem Schreiben auch nicht. Remus ist dem Krieg verfallen. Ein Todessüchtiger. Was soll man mit solchen Menschen nur anfangen?, schreibt er. Keine Antwort. Stattdessen eine Story über einen Müllmann, der sich vom eigenen Müll nicht mehr trennen kann, der sich in seinem Müll verliert, weil er das doch ist: dieser Müll!

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