Explodierende Möpse

von guidorohm

Jens Dogge ist am Ende. Heute hat er wieder den ganzen Tag den Reimann gegeben, der wiederum Rohm darstellt. Nicht mehr lange und er wird durchdrehen. Schließlich weiß er jetzt schon nicht mehr, wer er ist. Er stöhnt sich die dreiundzwanzig Stockwerke nach oben. Seine Oberschenkel stehen in Flammen. Die Muskeln brennen runter. Fackeln ab. Von denen wird nichts mehr übrig sein, bis er endlich in der Dusche steht. Warum hat seine Wohnung eigentlich dreiundzwanzig Fenster? Toni, die neben ihm wohnt, erzählte ihm kürzlich, das Haus wäre von den Illuminaten in Auftrag gegeben worden. Die würden eh hinter allem stecken. Auch hinterm Euro. Und erst der Dollar. Den müsse er sich mal ansehen. Voller Freimaurersymbole. Aber den Dollar hätten sie aufgegeben. Die würden sich jetzt auf China konzentrieren. Erklärte ihm Toni alles. Trank ihren Wein. Reichte ihm die Flasche. Nö, sagte Jens, da bekommt man … Er sprach es nicht aus. Mag keinen Wein, sagte er dann. Toni trank und trank. Zog sich aus. Sie hätte ihn in diesem Roman entdeckt. Er zuckte nur mit den Schultern. Na, stell dich nicht so an, schrie sie. Kicherte. Warste ständig nackt drin. Warst ne Nebenfigur. Jens drehte sich beleidigt zur Seite. Das Ding mit den Nonnen. Toni wollte nicht aufgeben. Und dann sprach sie es aus: Willste ficken? Jens wollte nicht. Er wollte sie loswerden. Also gähnte er. Übertrieben. Er riss das Maul auf, als wollte er es sich aushängen. Muss schlafen. Jaja, sagte Toni. Nix los mit euch Literaturdarstellern. Also willste nich ficken?

Jens schiebt sich durch die Wohnungstür. Nicht „durch die Tür“ würde ein Lektor jetzt meckern, sondern „durch die Türöffnung“. Jens kann Lektoren nicht ausstehen. Die streichen seine Rollen ständig zusammen. Wissen alles besser. Nörgeln: Klischee. Sagen: Wir müssen vierhundert Seiten streichen. Und ehe sich Jens versieht, haben sie ihn aus einem Roman geschmissen. Das geht heutzutage schnell. Jens lehnt sich an die Wand. Er schöpft Atem. Er schaufelt die angestandene Wohnungsluft hemmungslos in sich rein. Dreiundzwanzig Fenster und so eine Luft. Die ist zum Schneiden. Aber nicht zum Atmen. Wenn dieser Typ ihn wenigstens besser bezahlen würde. Er muss mit seinem Boss morgen ein ernsthaftes Gespräch führen. Er wackelt Richtung Dusche, da klingelt es dingdingedong. Er verdreht die Augen. Das kann nur Toni sein. Er sieht ihr Gesicht vor sich. Willste ficken, fragt der Mund in dem Gesicht. Jens rührt sich nicht. Er wird einfach hier stehen bleiben. Die wird schon verduften. Bestimmt. Er hat jetzt Feierabend. Der steht doch jedem zu. Auch einer Romanfigur. Er petzt die Augen zusammen.  Mal sehen, ob die Sache mit der Fantasie funktioniert, denkt er. Jens konzentriert sich auf die Brüste von Toni. Und wenn das, was ihm diese Autorenfreaks die ganze Zeit über erzählen, müsste es gleich eine Riesensauerei im Hausflur geben. Jens wartet. Er hält sich die Ohren zu. Armes Ding. Die wird ihre Möpse vermissen. Jetzt zählt er. Drei. Zwei. Eins. Feierabend.

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