Vor der Reise nach V

von guidorohm

Witold Reimann ist von einem Besäufnis zurück, das ihn an die Ränder der Stadt führte. Er will sich, so sehr Remus ihn auch drängt, nicht über die Ereignisse der letzten Stunden auslassen, die Reimann mit einigen blauen Flecken sowie einer klaffenden Wunde am Oberschenkel bedachten. Die Wunde muss versorgt werden. Erschöpft sitzt der Trunkenbold auf einem Sessel, der mit Samt ausgeschlagen ist. Ob er denn nicht wisse, dass man morgen auf große Reise gehe, spricht Remus, Blut dabei in ein Tuch wischend, auf seinen Rohm-Darsteller ein. Witold seufzt nur. Antworten will er nicht. Ihm ist nicht nach einem Gespräch, nach Plänen für die Zukunft, liege sie auch noch so nahe, quasi auf der Türschwelle, noch weniger. Er bittet um einen Wein. Seine Nerven müssten beruhigt werden, erklärt er Remus, der seinen Kopf schüttelt, nicht ahnend, in welche Nöte ihn dieser Trinker noch bringen wird. Einen Säufer sollte man sich nicht ins Haus holen. Remus tupft, greift nach der Jodtinktur, träufelt sie in einen Wattebausch, um diesen langsam und bedächtig auf die Wunde zu tupfen. Reimann schreit auf. Remus würde es genießen, unterstellt er. Nicht weiter auf Flüche und Verwünschungen des Schauspielers achtend, weiht Remus ihn noch einmal in die Pläne für den morgigen Tag ein, die ihn nach V führen sollen, um sich dort mit einer wichtigen Person zu treffen, deren Name aber noch geheim bleiben müsse. Eine Frau sei es, fügt Remus noch an. Witold Reimanns Augen glimmen auf. Aber sie ist verheiratet und du wirst mit der Wölfin fahren. Witold Reimanns Augen fallen in sich zusammen. Er wolle mit keinem dämlichen Tier auf Reise gehen, erklärt er, stemmt sich mit den Ellenbogen auf die Lehnen, hievt den Hintern aus dem Polster, bis er halbwegs aufrecht steht. Zum Wein müsse er, klagt Reimann, denn nur Wein, Weib und Gesang könnten seinen Schmerz lindern. Welchen Schmerz er denn meine? Reimann will nicht antworten, er will trinken. Remus bleibt zurück. Er hockt neben dem Sessel und weiß nicht weiter, weiß nicht, was zu tun ist.

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