Sprachauftrieb

von guidorohm

Nicht einfach schreiben. Das kann jeder. Mit einem Vogel auf dem Kopf schreiben. Mit einem hartgekochten Ei im Mund schreiben. Mit Schlamm im Mund schreiben. Mit Rasierklingen unter den Achseln an einem Text schrauben. Schreiben, während ein Paket gepackt wird, während eines Regenschauers, während der Zubereitung eines Rehs.

Herr Remus packt das Schreiben an den Hörnern. Er lässt sich von den Worten aufspießen. Die Sätze schmerzen. Eine weitere Geschichte. Immer noch eine weitere, die ihn durch die Arena zerrt. Gelächter. Geklatsche. Der tote Herr Remus erhebt sich. Bedankt sich.

Remus treibt das Schreiben an, den Schreibenden, der er nicht ist, der vor ihm hockt, dem er eine Peitsche über den Rücken zieht. Schreib, Schreiber, brüllt Remus. Der Schreiber eilt. Er hetzt durch das Weiß einer entvölkerten Schneelandschaft. Der Schreiber zeugt Wesen um Wesen. Manche haben einen Arm, manche drei Beine. Der Schreiber beschreibt das Schreiben, schreibt über die Notwendigkeit des Schreibens, schreibt über Remus, zeugt Remus, bringt Remus hervor, denn ohne den Schreiber gäbe es Herrn Remus überhaupt nicht.

Stille schwappt über das Zimmer. Das Zimmer versinkt in einem Text, in einer Geschichte, einer weiteren nötigen Geschichte.

Nicht einfach schreiben soll man. Soll den Text nicht vor dem Abend loben. Soll die Abendgarderobe beim Schreiben tragen. Einen Frack soll man tragen. Eine Fliege. Die Fliege löst sich. Sie fliegt in einen Fliegentext. Sie kehrt heim. Im Heim lebt man, im Heim schreibt man, im Heim wird man abgesetzt, wenn keiner weiß, was mit einem geschehen soll. Dort sitzt man dann als Heimkind. Schreibt über das Heim. Über die anderen Kinder. Über die Elefanten und Vögel. Man greift sich einen Vogel. Setzt ihn sich auf den Kopf.

Nicht einfach schreiben. Das kann jeder. Mit einem Vogel auf dem Kopf schreiben.

Advertisements