Remus reibt sich auf

von guidorohm

Remus reibt sich auf, reibt über den Körper der Wölfin, die sich seinen Schwanz packt und ihn bespricht. Rein. Raus. Oben. Unten. In einem Atemzug versinken. In den einen Atemzug steigen, ihn nie wieder verlassen wollen. Im Abteil sitzen. Die Zähne abzählen, während die Nacht dumpf sich selbst vergessen will, weil sie, plötzlich entleert, von keiner Geschichte mehr beseelt scheint. Remus treibt es mit der Wölfin. Er treibt sie durch den Atemzug hindurch. Er packt ihre Brüste.

So kannst du das nicht schreiben, unterbricht Rohm ihn. Das geht auf keinen Fall. Rohm und Remus schreiben. Beide. Sie haben über das Schreiben diskutiert. Sie haben sich Möbelstücke und Worte an den Kopf geworfen. Begräbt man sich nun mit Worten? Erschafft man sich mit Worten? All die Fragen waren mit Worten angehäuft, weil eben außer Worten nichts bleibt. Wir sind Worte! Darauf konnten sie sich schließlich einigen. Griffen nach dem Kaffeebecher. Nach einer Zigarette. Gleichzeitig. Schlürften. Schrieben.

Sitzen hier und jetzt. Reden über dies und das, auch über das und dies, dann noch über das, das und das. Worte fallen. Kleidungsstücke auch. Man probt den literarischen Sex, der stets als heikel in der Inszenierung gilt. Beschreibt man ihn so oder so?

Macht man, schreit Remus auf. Ein Fingerzeig lässt Rohm verschwinden. Die Wölfin taucht auf. So einfach geht es zu in einem Schriftstellerhirn. Jede Möglichkeit liegt nur einen gedachten Steinwurf entfernt. Keine Kunst. Man muss nur Kind bleiben können.

Remus stürzt sich auf die Wölfin. Seine Zunge verliert sich …

Hier wird scharf unterbrochen. Der Scharfrichter ruft die Beteiligten zur Mäßigung auf, denn immerhin könnten sich auch Kinderaugen in diesen Roman verlieren. Sekunden später sitzt Remus auf der Anklagebank. Der Richter erklärt ihn für schuldig. Abtransport in die Sümpfe des Fieberwahns. Aber, Herr Richter … Der Richter winkt ab. Er habe keine Zeit. Er habe dem Angeklagten schon genug Zeilen zur Verfügung gestellt.

Der Richter löst sich in Luft auf. Remus nicht. Er schlägt die Augen auf. Keine Sümpfe. Keine schreienden Wärter. Nur die Nacht, die ihn in ihrer Schwärze hält. Er liegt in seinem Bett. Ein Traum. Alles war nur ein Traum. Sein Lächeln bleibt ungesehen. Remus kann nicht mehr schlafen. Also wird er aufstehen, um ein wenig zu schreiben. Über Rohm, über Witold Reimann, über die Wölfin. Er ist allein. Er hat nur sich und die Geschöpfe seines Kopfes.

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