Drecksarschlochblatt

von guidorohm

Es dunkelt. Der Abend kommt, er rollt über das Land. Trotz der Sonne in diesem November, ist das kein Monat für einen Depressiven. Ständig in einem dunklen Verhau leben. Hausen. Da muss man ja verrückt werden. Nach einer Waffe greifen. Um sich schießen. Feuern. Sich anfeuern. Befeuern.

Remus hetzt durch die Wohnung. Nervös. Hypernervös. Remus fühlt sich wie ein Papier, das angespannt ist, das kurz vor dem Zerreißen steht. Der Alltag als Zerreißprobe. Remus will sie bestehen. Er will die Aufführung erleben. Er führt sich also durch die Wohnung, unaufhörlich fluchend: Drecksscheißjournalist! Er muss seinen Verleger anrufen, ihn bitten, obwohl es den Verleger überhaupt nicht gibt, weil es nichts gibt, weil alles eine Erfindung des Herrn Remus ist, er muss den Verleger bitten, um die Rede an dieser Stelle aufzunehmen, vom Boden zu lesen, was für ein Satz, der könnte länger und länger werden, eine literarische Plansequenz, wo waren wir bzw. ich, ach ja, beim Herrn Remus, der sich an seinen Verleger wenden muss, damit der sich an den Journalisten von diesem regionalen Mülldrecksblatt wendet, um den Journalisten zu bitten, seien Sie doch bitte voll der Gnade für einen armen Autor, sich mit dem Autor zwecks eines Interviews für dieses bescheuerte Müllwichsblatt zu treffen.

Remus beruhigt sich. Er atmet tief durch. Noch tiefer. Er verliert sich in seinen tiefen Atemzügen. Ein Schluck Kaffee. Eine Zigarette. Drecksarschlochblatt von Zeitung. Geht doch. Remus fühlt sich bereits besser.

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