Über das Nichts

von guidorohm

Über das Nichts sei zu schreiben, regt Remus sich an und auf, denn das Nichts, dieses Wegsein, Absein, Keinsein, Nichtdasein müsse endlich einmal literarisch adäquat behandelt werden, da müsse man nur bei Azar und seinen BEVORMUNDUNGEN nachschlagen, die das Nichts dem Autor als Raum vorschlagen, darin er seine geheimsten Gedanken lagern könne, obwohl es dann nicht mehr das Nichts wäre, sondern Der Raum mit den geheimsten Gedanken.

Remus überlegt, den Kopf auf seine Hand gestützt, während der Arm sich auf dem Schreibtisch abstützt, der sich wiederum auf dem Boden der Wohnung abstützt, die sich auf dem Haus stützend hält, oder innerhalb des Haus stützend hält, wie dem Nichts nun mit geballter Wortkraft beizukommen wäre. Er stellt sich einen Text vor, der die Schwärze des Weltalls aufzeigt, aber das geht nicht, auf keinen Fall, denn die Schwärze ist zwar keine Farbe, aber auch kein Nichts, denn ein Nichts ist ein Nichts, ist etwas, das, wäre man äußerst genau, nicht mal eine Bezeichnung besitzen dürfte, Nichts müsste reduziert werden auf N, aber da wäre immer noch etwas, also eher Minus N oder ein besonders langes Wort mit einem Minus davor, um die totale Entleerung in einem Bild darzustellen.

Remus merkt, er kommt nicht weiter, er raucht eine Zigarette, draußen auf dem Balkon, den Blick in den Nebel gerichtet, so ein Nebel ist eine feine Sache für die Mörder von Prostituierten und  Menschen wie ihn, die eben in Begriff sind, sich über das Medium der Fiktion über das Nichts in einem Text für einen Blogroman auszulassen. Alles sehr einfach, alles sehr primitiv. Man muss es nur eben umzusetzen wissen.

Die Häuser ringsum schälen sich fahl aus dem Nebel, der aber kein Nichts ist, sondern eben Wasser in einem Moment edelster Anmut.

Nichts kann man recht gebrauchen, um das Nichts zu beschreiben. Er drückt die Zigarette aus, lauscht in den Nebel hinein, der ihm überraschend einige Geräusche schenkt: eine geschlagene Autotür, die mit einem Wimmern auf diesen Akt der Barbarei antwortet, Schritte, die sich entfernen oder nähern, ein quietschendes Bett, gefolgt von einem JA!-Schrei. Dies alles bringt Remus nicht weiter, er materialisiert sich einen Vogel in die Wohnung, lächelt den Wellensittich an, füttert ihn. Er zuckt mit den Schultern. Er wird dem Nichts schon noch auf die Spur kommen, und wenn er dafür sterben müsste, es wird ihm nicht entkommen können.

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