lingel

von guidorohm

Müde, weil eine Erkältung ihn schwächt, sitzt Remus vor der Tastatur, will er doch den mit weißen Buchtstaben besetzten schwarzen Quadraten eine kleine Geschichte abtrotzen. Nur ein paar wenige Sätze, die müssten mir doch gelingen, denkt er, sich im Schritt kratzend, als wäre dort eine Erzählung zu greifen. Nichts zu finden, nicht einmal eine Sackratte, der man den Kopf abbeißen könnte, um sie im Schnee des Word-Dokuments als Spur zu hinterlassen. Also tut er nichts, nur warten, auch auf eine Pizza, die er sich und seinen Fiktionen, die sparsam zu halten sind und selten Hungergefühle zeigen, bestellt hat. Jeden Moment müsste es klingen. Noch ist nichts geschrieben, er holt mit dem Zeigefinger aus (Remus ist ein Vertreter des Zwei-Finger-Schreibsystems), umkreist das K wie ein Adler, die sich nach einem Gebüsch sehnende Maus, um dann rasch lingel folgen zu lassen. Erlöst vom Pizzaboten verlässt er den Schreibtisch, um sich statt dem Schreiben handfesteren Dingen zuzuwenden, die zwar nicht wacher, aber dafür in diesem Augenblick satter machen.

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