Vielleicht aber auch nicht

von guidorohm

Remus sitzt auf dem Balkon, gepackt in eine grüne Jacke, die von einem giftgrün ist, wie es den Augen eigentlich nicht zuträglich sein kann. Aber niemand kann ihn sehen, zumindest hofft Remus dies, sitzt er doch, verdeckt vom abblätternden Geländer, auf einer Liege, die eigentlich schon längst in den Keller geräumt hätte werden müssen. Er raucht eine Zigarette, eine seiner zahlreichen täglichen Kippen. Den Kopf gesenkt, als würde er schlafen, mindestens aber meditieren, lauscht er auf die Geräusche, die von der Straße zu ihm nach oben dringen. Autos kommen an, fahren ab. Ein Junge ruft: Leon, du kannst doch noch bei uns bleiben. Ein Schrei, vermutlich der von Leon, folgt: Ja! Remus stellt sich das Treiben dort unten vor. Er sieht Särge, die aus Autos gezogen werden, Mädchen, die ihre Haare, die wie eine Welle über den Asphalt schwappen, mit gleichmäßigen Bewegungen kämmen, Fahrradkuriere, die sich gegenseitig jagen. Er drückt die Zigarette im Aschenbecher aus. Lächelt. Geht in die Wohnung. Vielleicht wird er Rohm darüber schreiben lassen. Vielleicht aber auch nicht.

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