Remus, Kaiser und Gott

von guidorohm

Die Dinge nehmen ihren Lauf, der sich über Berge erstrecken, der in Täler führen wird. Über Bäche wird man steigen müssen. Remus überblickt die Landschaft, jeden Strauch kann er sehen, jede Nadel fassen, an den Blättern riechen, ist doch die Welt, durch die der Lauf führen soll, von ihm erschaffen worden. Alles unterliegt dem Wort. Das Wort erschafft die Welt. Das Wort zaubert alles hervor. Nichts ist außer dem Wort. Remus blickt sich um. Er verdreht die Augen, gesteht ein: Reimann ist aus Fleisch und alkoholgeschwängertem Blut, und natürlich auch die Wölfin.

Oder?

Die Wölfin hat sich bei einer ihrer letzten Streifzüge erkältet. Hustend und mit abwesenden Augen liegt sie im Bett. Remus wird ihr einen Tee bereiten müssen. Bald. Nachher. Erst muss hier alles geregelt werden. Er überprüft die Fotoaufnahmen. Reimann gibt einen famosen Rohm ab, einen Rohm, der etwas derb in die Kamera linst, aber so soll er sein, so soll er bleiben, denn so stellt Remus sich Rohm vor.

Er hat ihn bei Facebook untergebracht. Bei allerlei anderen Netzwerken. Er hat ihn installiert. Die Welt ist bereits Rohmübersät. Lasst die Spiele beginnen. Er treibt seinen Spieler in die Arena hinein. Die Löwen können kommen. Die Löwen sollen sich nur an einem Wesen aus Luft und Fantasie die Zähne ausbeißen.

Da Rohm, so wollte es der Remuswille, in Fulda wohnt, hat Remus einen Journalisten der dortigen Zeitung angeschrieben. Die Antwort steht noch aus. Er betrachtet eine Ausgabe des Blattes. Er muss die Augen verdrehen. Worüber die alles berichten. Über ein Mädchen, die für eine Schnellimbisskette einen Burger kreierte; mit dieser Nichtigkeit schaffte es die Brötchen-Künstlerin gar bis auf die Titelseite. Berichte über Fußballvereine, Kaninchenzüchtervereine, Satanisten, Hostienschänder, Sodomiten, Terroristen. Remus laufen die Augen über. In so einer kleinen Stadt ist viel los, auch wenn es die Stadt und die Zeitung gar nicht gibt, weil auch sie aus seinem Kopf in die Welt gesprungen sind.

In seinem Rücken schnarcht Reimann. Macht. Ich habe die Macht, denkt Remus. Er kneift die Augen zusammen. Öffnet sie wieder. Ruhe. Er sieht sich um. Niemand zu sehen. Er hat Reimann aus seinem Kosmos geblinzelt. Einfach so. Das ist Magie. Das ist er. Das ist sein göttlicher Wille.

Am Anfang schuf Remus. Am Anfang war das Wort. Das Wort lautete Remus. Remus unser im Himmel. Geheiligt werde dein Name. Remus klatscht begeistert in die Hände. Er wird sich eine Religion schaffen. Später. Jetzt kreiert er weiter. Er wirft noch etwas Tabak in den Urschlamm. Etwas Kaffee. Eine Prise Humor. Mehr Humor. Er rührt den Urschlamm. Der Urschlamm rührt ihn. So sitzt er da. Weint hemmungslos. Es ist nicht leicht, ein Gott zu sein.

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