Ein Geschöpf namens Witold Reimann

von guidorohm

Raus aus dem Gedankengestrüpp. Zurück auf den Weg. Remus fiel, dem geneigten Leser mag dies als Lüge unter bereits zahlreichen Lügen erscheinen, ein Geschöpf vor die Füße. Umbringen wollte sich das Geschöpf, dem er auf die Füße half. Sprang dummdreist aus dem ersten Stock eines Wohnblocks auf die Straße hinab und konnte sich nicht einmal den Fuß brechen. Selbst jetzt ist nichts zu sehen, kein blauer Fleck, aber das Geschöpf will seinen Fehltritt nicht einsehen und verzieht schmerzhaft das Gesicht. Das Geschöpf trägt den Namen Witold Reimann. Schauspieler sei er, ein vom Leben geschlagener, der, weil er Kommunist und homosexuell, bereits auf der Schwarzen Liste eines gewissen McCarthy gestanden hätte. Kann nicht sein, denn dafür ist er zu jung. Sonderbar mutet sein Äußeres an. Seine Augen wirken, vielleicht durch den übermäßigen Alkoholkonsum, meist müde. Striche scheinen sie. Schlitze bleiben, aus denen er der Welt Beachtung schenkt. Remus wusste es sofort. Er weiß es noch. Dies soll fortan sein Guido Rohm sein, denn nun kann er den Leibhaftigen in die Welt entsenden. Lesungen, Pressetermine werden nun kein Problem mehr darstellen, hat er doch nun SEINEN Guido Rohm nicht nur erfunden, sondern wirklich gefunden.

Reimann bittet um Nachschub. Er hebt sein Glas. Remus springt los. Er will den Gast bei Laune halten.

Witold Reimann, siebtes Kind einer kinderarmen Familie, der sich seit Jahren um Rollen bewirbt. Leider vergeblich. Er buckelt. Grinst. Sagt: Richard III. Den hat Shakespeare für mich geschrieben, auch wenn er mich noch nicht persönlich kannte. Nun ward … Remus verdreht die Augen. Dies könnte der Winter seines Missvergnügens werden. Er wird den Fremden überzeugen, denn hier wartet die Rolle seines Lebens auf ihn. Einen Schriftsteller spielen, von dem am Ende alle glauben werden, es gebe ihn tatsächlich. Remus blickt auf, das Kinn erhoben. Am Horizont kann er den glorreichen Sommer durch die Sonne Remus sehen.

Witold Reimann

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