Remus schlägt Rohm

von guidorohm

Remus hat den Tag verträumt, hat ihn mit einem Schnarchen in kleine Stücke zersägt, die nun zu seinen Füßen liegen und die er eigentlich auffegen müsste, um sie im Mülleimer zu entsorgen. Weil er sich aber gerade aufs innigste mit dem eigenen Starren angefreundet hat, belässt er den Blick auf dem Boden, der sich nicht auftun will. Seine geblähten Nasenwände sehnen sich nach Kokain, nicht nur, weil es Freund Sherlock mochte, sondern auch weil es ihn in die Aufregung versetzt, die ihm momentan fehlt.

Wovon nur träumte er? Remus kratzt sich Lichtsplitter aus den Furchen der Stirn und versucht sich zu erinnern. Rohm musste ins Amt abwandern, ja, ein Amt, kafkaesk in seinen zahllosen Abzweigungen, war es, dem Rohm sich auszusetzen hatte. Ob er dem Geschöpf seines Romans mehr Freiheiten gönnen sollte? Remus will die Frage nicht beantworten, weil er sich erschöpft und ausgelaugt fühlt, ein Übermaß an Schlaf hat ihn an den Rand seines Ich geschleift. Dort steht er nun, wohl wissend, es kann ihm nur übel werden, müsste er sich und seiner Persönlichkeit ins Antlitz blicken. Staubflocken tanzen in der Luft, die von den einfallenden Sonnenstrahlen in einen Käfig verwandelt wird.

Da sitzt er nun, ein gefangenes Tier unter Tieren, dem seine Wölfin nicht beistehen kann, liegt sie doch erschöpft auf dem Sofa, sich die Wunden der nächtlichen Kämpfe leckend. Er will heute einfach nicht mehr über Rohm nachdenken, er will den Rohm aus seinem Kopf bekommen, also verpasst er sich einen ersten leichten Schlag, der den Bildnissen, die er sich von Rohm gemacht hat, auf die Sprünge helfen soll. Ein nächster Schlag folgt dem ersten, der noch unverdaut rot auf der Wange glüht. Fester und fester, die Wölfin will es nicht bemerken, denn sonst würde und müsste sie einschreiten, langt er zu. Schließlich kippt Remus benommen zur Seite, nur halb noch hängt er auf dem Stuhl; ein Geschlagener seiner eigenen Angriffe. Er horcht in seinen Kopf hinein, wagt auch einen Blick. Dem Rohm ist er nicht beigekommen.

Immer noch hier, fragt Remus.

Wo sonst sollte ich sein?

Remus weiß keine rechte Antwort, also schweigt er sich in den Abend hinein, der, er hofft und bittet, bald schon seine Schatten werfen müsste.

Und dann, fragt Rohm.

Dann lasse ich dich schlafen, sagt Remus. Dann habe ich vorläufig meine Ruhe vor dir.

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