Rohm wird mit Leben gefüllt

von guidorohm

Remus hat einen ersten Zettel geschrieben, der die Hauptfigur seines Blogromans näher beschreiben soll.

Rohm könnte 1970 geboren sein, ist da zu lesen.

Außerdem hat Remus sich eine Bibliografie erdacht: Keine Spuren (2009), Blut ist ein Fluss (2010), Eine kurze Geschichte der Brandstifterei (2010), Safe Heaven (2011), Blutschneise (2011).

Er wird seinem Geschöpf (vermutlich) den Vornamen Guido geben. Mit diesem Namen hat er schon länger gespielt, warum ausgerechnet mit diesem Namen, der durch den derzeitigen Außenminister doch so sehr in Misskredit gebracht wurde, kann er nicht sagen.

Remus überliest die Titel noch einmal rasch. Er muss kichern, schließlich lachen, denn eine solche Titelparade erinnert an einen Trivialschriftsteller. Er schlägt die Hände zusammen. Ja, schreit Remus auf, jetzt kommen wir dir doch näher. Wie könnte er denn nur aussehen? Kurze Haare? Lange Haare? Er wird auch den Charakter beschreiben müssen.

Remus setzt sich an seinen Computer, während die Wölfin um seine Beine streicht, an ihm schnüffelnd, jaulend, dann bettelnd, er solle sich zu ihr ins Körbchen legen.

Jetzt nicht, jetzt nicht, zischt Remus.

Es gibt so viel zu tun. Die Bücher seiner Fiktion müssen im Internet zu finden sein, also schreibt er rasch einen befreunden Verleger an, der von nun an als Herausgeber der Rohm-Werke herhalten soll, ja, herhalten muss.

Werk, flüstert Remus und verdreht die Augen. Aber, Gnade vor Recht, so will er die Ergüsse Rohms vorerst nennen.

(Bei Wikipedia wurde seine Fiktion, wie die verehrten Leser ja bereits erfahren durften, sofern Sie diesem Roman aufmerksam gefolgt sind, bereits ohne Murren akzeptiert.)

Remus ruft die Wikipedia-Seite auf. Er zuckt zurück. Das ist auf keinen Fall alles von ihm, das hat er nicht geschrieben. Auch die eben erst von ihm ersonnenen Titel finden sich bereits an diesem schändlichen Ort der Offenheit.

Mit einem Schrei springt Remus von seinem ledernen Schreibtischstuhl auf. (Das Leder, dies sei hier kurz angemerkt, wurde ihm einst von einem Trapper in die zittrigen Hände gelegt, der während einer seiner Streifzüge durch die Wildnis, sich ausgerechnet in die Wohnung des Herrn Remus verirrte. Remus campierte mit dem Trapper einige Wochen im Wohnzimmer, dann zog der dankbare Mann namens Mason weiter.)

Da, da, da, stammelt Remus.

Ja, was denn sei, fragt die Wölfin nicht.

Remus schüttelt den Kopf. Das hört sich nicht gut an. Irgendwie nach den Scherben einer Vase.

Egal, sagt er. Ich werde einfach gute Vorarbeit geleistet haben, an die ich mich nun nicht mehr erinnern kann.

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