Preise

von guidorohm

Remus hat das Lesen aufgegeben. All die Bücher, die nicht von ihm geschrieben wurden, machen ihn nervös. Nur den Erwerb  kann er nicht unterlassen. So schleppt er Buch für Buch in die Wohnung. Hier eines von Herta Müller. Dort ein Roman von Michael Lentz. Die alle schreiben auf eine poetisch exakte Art und Weise, die ihn zittern lässt. Die Konkurrenz schläft nicht. Also schreibt er rasch an Lentz eine Mail, darin er ihn zum Teufel wünscht. Viel eher solle man ihn lesen, dröhnt Remus in die Wohnung und verschwindet mit einem Roman von Elfriede Jelinek auf der Toilette, um dort von der Verleihung des Nobelpreises zu träumen. Man lobt ihn für seine Gesellschaftsromane, für sein politisches Engagement. Remus nickt kurz, verdrückt sich dann nach draußen, um eine Zigarette zu rauchen. Diese ganzen Preise, denkt er, bringen mich nicht weiter. Sollen sie mich doch in Ruhe lassen. Schreiben will ich. Einfach nur schreiben.

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