Doppelträume

von guidorohm

Remus hat leidlich geschlafen.

Ihm träumte von seiner Fiktion Rohm, die wiederum von ihm träumte. Nervös geworden von solcherlei Doppelträumen schnellte sein Oberkörper nach oben.

Was denn sei, fragte ihn die Wölfin.

Nichts, nur dies und das. Er sei im Traum auf seine träumende Hauptfigur gestoßen; nun sei er sich unsicher, ob es ihn denn überhaupt gebe.

Am Morgen dann, gemartert von den nächtlichen Verunsicherungen, schleppte sich Remus vor den Spiegel, sein Gesicht musternd, hatte er doch tatsächlich Angst, selbst nur eine Fiktion zu sein.

Er griff sich ins Gesicht hinein. Knetete die Backen, spielte mit der Unterlippe. Auch Schläge verpasste er sich. Schmerzverzerrt zuckte er zurück und entschuldigte sich rasch bei seinem Widerschein.

Nun sitzt er vor seiner Tastatur, um eine weitere kleine Geschichte über Rohm zu zimmern. Die Wölfin schläft noch. Der Kaffee gluckert durch die Maschine. Die Morgenzigarette ist bereits geraucht.

Ein Raucher, ja, Rohm ist Raucher, denkt sich Remus. Er tippt, schnell, wild, bald schon holt er seine Gedanken ein. Da die letzten Zeilen keinen Sinn mehr ergeben wollen, muss er sie löschen.

Rohm könnte ein Krimiautor sein. Rasch erfindet sich Remus einige Titel für dessen Romane, die, er überlegt, bereits auf einer Krimiseite im Internet gelistet sein könnten. Auch eine erste Rezension in der Frankfurter Allgemeine könnte für Furore sorgen. Nein, denkt Remus, jetzt übertreibe ich. Stattdessen lässt er eine Besprechung in einem Blog erscheinen.

Remus liest sich alles durch. So könnte es sein, denkt er.

Zufrieden greift er in der Küche nach der Kanne, nimmt einen Schluck, während ein Knarren, ein Schaben und Heulen von der Ankunft der Wölfin kündigen.

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